Die Christuskirche

Mit dem Bau der Evangelischen Christuskirche in Salzburg wurde unmittelbar nach der Gemeindegründung im Jahr 1863 begonnen (Architekt Jacob Götz). Im Jahr 1867 war die Kirche im Stil des Historismus fertiggestellt.

Die Kirche ist aus rötlichem Backstein erbaut, gerahmt von Salzburger Konglomerat und Kunststein.

Bis auf kleinere Veränderungen ist sie bis heute im Originalzustand erhalten. Die Kirche ist ein charakteristisches Beispiel für die sorgfältige Umsetzung des Eisenacher Regulativs von 1861, eine Anleitung für den Evangelischen Kirchbau in Deutschland.

Die Christuskirche von außen

Wie im „Eisenacher Regulativ“ von 1861 vorgeschrieben, wurde die Christuskirche aus „dauerhaftem Material“ „ohne täuschenden Bewurf oder Anstrich“ erbaut. Die Backsteinbauweise erinnert an den Evangelischen Kirchenbau in Norddeutschland, aber auch in England - ein gerade gegenüber den barocken Kirchenbauten Salzburgs deutlich erkennbarer protestantischer Kirchenbau. In der Fassadengestaltung zeigt sich die historistische Mischung neugotischer und neuromanischer Elemente, wobei der neugotische Eindruck, vor allem durch die aufgesetzten Fialtürmchen am Langhaus, überwiegt. Die Christuskirche ist einer der ersten Sakralbauten in Österreich, bei dem Portlandzement als Baustoff – etwa für die Fensterumfassungen und das schlichte Maßwerk - verwendet wurde.

Trakltafel

Tatsächlich wurde Georg Trakl wohl nicht in der Christuskirche, sondern zu Hause getauft. Aber er wurde in der Christuskirche konfirmiert.

Und worauf sich die rätselhafte Zeile "Golden blüht der Baum der Gnaden" bezieht, sollte jeder verstehen, der einen Blick auf den Altar der Christuskirche geworfen hat, den Trakl sicher oft vor Augen hatte...

Reccagni-Firmian-Tafel

Die großzügige Stiftung Leopoldine von Reccagnis fiel später den wirtschaftlichen Krisen der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts zum Opfer. Übrigens war sie keine direkte Nachfahrin des Fürsterzbischofs, der die Evangelischen 1731 aus dem Land Salzburg ausgewiesen hatte.

Christuskirche innen

Eingangsbereich - Weltkriegsdenkmal

In der Vorhalle erinnern Gedenktafeln in den zwei Nischen links und rechts an die Gemeindeglieder, die in den beiden Weltkriegen ums Leben kamen, darunter auch Gemeindeschwester Rosa Himmler, die mit einigen Kindergartenkinder in einem Splittergraben im Garten des damaligen Evangelischen Kindergartens einem Bombenangriff zum Opfer fiel.

Das Kirchenschiff

Zur Zeit des Baus der Christuskirche waren mittelalterliche Grundrisse wieder Mode. Man baute "Bilderbuchkirchen". So ist auch das Kirchenschiff der Christuskirche klassisch länglich-rechteckig, gegliedert in Haupt- und Seitenschiffe durch eingezogene Eichenholzemporen. Beim Gestühl auffällig sind die seitlich umlaufenden Bänke, die die ansonsten frontale Anordnung beleben.

Das "hammerbeam roof"

Optik und Akustik der Christuskirche werden durch ihre Holzkassettendecke geprägt. Technisch als mit Holzmaßwerk geschmückte "Hammerbalkendecke" im Stil englischer Gotik ausgeführt, trägt sie im Zusammenspiel mit den ebenfalls aus Eichenholz bestehenden Emporen und dem steingewölbten Chor dazu bei, dass die Christuskirche über eine einzigartige Akustik verfügt, die sie auch zu einem beliebten Veranstaltungsort vielfältiger Konzerte macht.

Der Altarraum

Auch der Altarraum entspricht in seiner Gestaltung den Vorgaben des Eisenacher Regulativs. Dieses gibt für den Altarraum die massive Einwölbung, die Erhöhung über das Kirchenschiff um mehrere Stufen und den freistehenden, um eine Stufe erhöhten Altar mit aufgesetztem Kruzifix vor.

Das Altarkruzifix

"Golden blüht der Baum der Gnaden" - schöner kann man das aufgesetzte Altarkruzifix der Christuskirche nicht beschreiben, als das Georg Trakl in seinem berühmten Gedicht getan hat. Ganz in goldener Farbe hängt hier der Gekreuzigte an einem Lebensbaumkreuz. Der Tod Christi ist hier kein Scheitern, keine Niederlage, sondern im Gekreuzigten öffnet sich der Himmel, die Wirklichkeit Gottes, für alle Menschen. Die Farbe des Himmels in der christlichen Ikonographie ist Gold.

Kanzel

Die Kanzel der Christuskirche befindet sich am linken Chorbogen. Sie zeigt einen in Kunststein gegossenen lehrenden Christus, umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten.

Die Orgel

Auf den ersten Blick scheint die Christuskirche mit einer ihrer Entstehungszeit entsprechenden Orgel ausgestattet zu sein. Original ist allerdings nur noch die Gehäusefront der ursrünglich als Opus 66 der renommiererten deutschen Orgelbaufirma G.F. Steinmeyer als mechanische Kegelladenorgel mit 15 Registern und typisch romantischem Klang erbauten Orgel.

Nach mehreren kleinen Änderungen (Einschmelzen und späterer Ersatz von Pfeifen im Ersten Weltkrieg, Versuch einer Barockisierung des Klangbildes) wurde sie Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts durch ein 28registriges, barock intoniertes Instrument minderster Qualität ersetzt. Verwendet wurden für dieses Flickwerk auch originale Pfeifen(register) und einige weitere gebrauchte und billige neue Register, alle auf mechanischen Schleifladen.

Bereits 1999 stand fest, dass diese Orgel weder erhaltungsfähig noch sanierungswürdig ist.

2021 hat die Gemeindevertretung dank namhafter Unterstützungszusagen von Stadt und Land Salzburg einen Neubau beschließen können.

2025 soll die Christuskirche wieder eine mechanische romantische Kegelladenorgel im originalen Gehäuse erhalten - selbstverständlich technisch auf der Höhe der Zeit, aber mit einem Klang, der auch G.F. Steinmeyer gefallen hätte.

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Bild "Der Salzbund"

In der Christuskirche hängen drei Bilder, die an die Geschichte der Evangelischen in Salzburg erinnern.

Die beiden Gemälde von Friedrich Martersteig (1814-1899) zur Ausweisung der Evangelischen 1731/32 wurden der Gemeinde von dessen Erben geschenkt. Martersteig war für den Bau der Christuskirche engagiert und interessiert an der Geschichte der sogenannten Salzburger Exulanten.

Das erste Bild zeigt den Innenraum eines Gasthauses in Schwarzach im Pongau im April 1731. Vertreter der Evangelischen schwören sich im "Salzbund" gegenseitig zu, offen zu ihrem evangelischen Glauben zu stehen.

Bild "Exulantenzug"

Das zweite Gemälde zeigt die Folgen. Am 31. Oktober 1731 erlässt Fürsterzbischof Leopold von Firmian das "Emigrationsedikt", mit dem er über 20.000 Evangelische aus dem Geistlichen Fürstentum Salzburg ausweist. Von November 1731 bis November 1732 verließen die "Exulanten" in über 20 Marschzügen oder Trecks das Land. Die meisten von ihnen fanden in Ostpreußen eine neue Heimat, wo sie von Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. aufgenommen wurden.

Bild "Einweihung der Christuskirche"

Auch dieses Ölbild stammt von Friedrich Martersteig, der selbst an der Feier der Eröffnung der Christuskirche 1867 teilgenommen hat (er hat sich rechts außen im Bild selbst porträtiert). Dargestellt ist der junge Pfarrer Heinrich Aumüller beim Betreten der neugebauten Kirche. Im Hintergrund die neugepflanzte Kastanienallee am Kai und die Müllner Kirche. Das Bild ist zu seinem Schutz derzeit nur in einer Kopie in der Kirche zu sehen.

Gedenktafel Pfarrer Aumüller

Heinrich Aumüller aus Coburg war der erste Pfarrer an der Christuskirche. Die Daten nennen seine Amtszeit - er wurde mit 22 Jahren zum Pfarrer an der Christuskirche gewählt.

Die Legende will es, er sei unter vielen Bewerbern gewählt worden, weil erwartet wurde, dass ein so junger Mann gut mit den Reisestrapazen eines Gemeindegebietes zurecht käme, das von Braunau am Inn in Oberösterreich ausgehend das ganze Land Salzburg, Gebiete im heutigen Bayern und das ganze Land Tirol umfasste. Tatsächlich blieb er 40 Jahre Pfarrer der Gemeinde.

Nachdem um die Jahrhundertwende in der „Los-von-Rom-Bewegung“ viele deutschnational gesonnene Menschen in Salzburg zur evangelischen Kirche übergetreten waren und auch im Presbyterium eine Mehrheit stellten, trennte sich Aumüller zunächst im Streit von der Gemeinde, später soll es eine Versöhnung gegeben haben.

Die Glocken der Christuskirche

Glocke 1: Ton: f1

Aufschrift: Glaube

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat  1Joh 5,4 Stiftung der Evangelischen Kirchengemeinde Salzburg

Glocke 2: Ton: a1

Aufschrift: Liebe

Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibet, bleibet in Gott und Gott in ihm. 1Joh

Glocke 3: Ton: c2

Aufschrift: Hoffnung

Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. Röm 12

Stiftung des evangelischen Vereines der Salzbund als Ersatz für die im 2. Weltkrieg 1939-45 abermals dem Vaterlande geopferten Glocken

Glocke 4: Ton: d2

Aufschrift: Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr. Mt 5

Flüchtlingsglocke als Ersatz für die Emigrantenglocke.

Stiftung des Heimatvertriebenen Friedrich Dachs

Hier hören Sie die Glocken im Plenum (alle Glocken):

Viele weitere Fotos der Christuskirche, vor allem von Besucher*innen aufgenommen, darunter auch 3D-Ansichten, finden Sie auf unserer Google-Maps-Seite!

Hier finden Sie den Wikipedia-Artikel über die Christuskirche